Ist es sinnvoll, sich bei einer großen Major-Plattenfirma zu bewerben?
Für alle Künstler ist es zwar langfristig das Ziel, bei einer dieser Firmen unter Vertrag zu kommen, da diese die großen Marketing-Maschinerien hinter sich haben. Die Major-Plattenfirmen sind folgende:
- Polygram
- BMG
- Warner Music
- EMI Electrola
- Sony
Für eine Nachwuchsband ist es aber sinnvoller, bei einem kleineren Independent-Label zu beginnen, für das 1.000 verkaufte CDs sehr viel sind, als bei einem großen Plattenkonzern, für den 50.000 verkaufte CDs sehr wenig sind.
Die großen Major-Plattenfirmen hören zwar in alle ihnen zugesandten Demo-CDs kurz rein, aber in der Regel arbeiten sie nicht mit Newcomern zusammen, die sich per Post selbst anbieten. Für Interpreten, die von Profi-Partnern wie Verlagen, Produzenten oder Managern unterstützt werden, interessieren sich die Mitarbeiter der Abteilung A&R (Artist und Repertoire), die für das Aussuchen neuer Künstler und deren Betreuung zuständig sind, mehr, da die Profi-Partner bereits ein Qualitätssieb darstellen. Auch werden Bands, die mit kleineren Independent-Labels schon Erfolge verbuchen konnten, aufgekauft. Aus diesem Grund ist es durchaus empfehlenswert, sich zunächst bei unabhängigen Labels, Verlagen oder Produzenten zu bewerben.
Was habe ich beim Verschicken meiner Demos zu beachten?
Die Vorgehensweise beim Verschicken der Demos, Infos und Fotos ist prinzipiell dieselbe wie beim Bewerben um Auftrittsmöglichkeiten oder um einen Verlagsvertrag. Die Adressen von Labels findet man in
- Fachzeitschriften,
- Branchenbüchern,
- Internet,
- CD-Booklets beziehungsweise auf Platten-Covern.
Damit die Bewerbung in die richtigen Hände gerät, sollte man zunächst unbedingt telefonisch den für die entsprechende Musikrichtung zuständigen A&R-Mitarbeiter erfragen. Wenn sich eine Firma nach vier bis sechs Wochen nicht gemeldet hat, so kann man ruhig nachfragen, was aus dem Material geworden ist.
Man sollte den Kopf nicht hängen lassen, wenn man eine Absage erhält, was leider meistens der Fall sein wird. Plattenfirmen verschicken oftmals Standardabsagen, deren Wortlaut bei jedem Künstler gleich ist. Aufgrund der Menge von Demos, die eine A&R-Abteilung zu hören hat, ist das durchaus verständlich. Steht in einem Schreiben zum Beispiel ein Satz wie „Wir haben uns in den letzten Tagen eingehend mit Ihrem Material beschäftigt, müssen Ihnen aber leider mitteilen, dass ...“, so bedeutet dies normalerweise, dass oft nur bis zum ersten Refrain des Opening-Songs gehört wurde. Die üblichen Absagen gibt es, wenn es den Talentsucher nicht vom Hocker gerissen hat.
Es ist übrigens sinnvoll, im Fall des Desinteresses das Material zurückzufordern. Die meisten Firmen schicken die Tapes aus Kostengründen nur zurück, wenn ausdrücklich danach verlangt wird.
Vorsicht: Leider gibt es in der Musikbranche einige schwarze Schafe, die Künstler für eine CD-Produktion unter Vertrag nehmen, wofür diese aber selbst teuer bezahlen müssen. Wenn man also dem Label die eigenen Platten abkaufen soll oder das firmeneigene Studio mieten muss, so sollte man lieber die Finger davon lassen, da es in solchen Fällen meist günstiger ist, die CD selbst zu produzieren.
Übrigens: Man sollte sich darüber im Klaren sein, welche Aufgaben nach Vertragsabschluss auf einen zukommen können, bevor man sich um einen Plattenvertrag bewirbt. Viele Musiker glauben, wenn sie einen Lizenzvertrag unterzeichnen, sind sie schon fast ein Star, der sich bald auf seinen Lorbeeren ausruhen kann. Die wirkliche harte Arbeit aber fängt dann in der Tat erst an. Neben dem musikalischen Können muss man über einen ausgeprägten Geschäftssinn verfügen und wahnsinnig fleißig mit den Marketing-, Publicity- und Vertriebsmitarbeitern der Plattengesellschaft für den Erfolg zusammenarbeiten.
Das bedeutet
- viele stressige Konzerte,
- Interviews,
- bürokratische Aktivitäten,
- Aufnahmetermine,
- Fototermine.
Das alles klingt für einen Newcomer sehr verlockend, ist in der Tat aber äußerst harte Arbeit, die fast das ganze Privatleben verschlingen kann. Dabei ist noch lange nicht gesagt, dass sich die ganze Mühe auch wirklich lohnen wird. Gerade bei Major-Companys kann es sein, dass man fallen gelassen wird, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht binnen kürzester Zeit einstellt.
Man muss sich darüber im Klaren sein, dass das Musikbusiness sehr widersprüchlich ist: Auf der einen Seite gibt es Künstler, die sich selbst verwirklichen wollen, auf der anderen Seite gibt es Leute, die dies vermarkten und damit Geld verdienen wollen. Diejenigen, die Musik vermarkten, wollen sich auch als „große Nummer im Musikbusiness“ präsentieren, indem sie den letzten „Bullshit“ zu Geld machen. Deshalb müssen oft Kompromisse und Abstriche (besonders aufseiten der Künstler) gemacht werden. Manch ein Musiker ist aus diesem Grund am Musikbusiness zugrunde gegangen.
Jede Plattenfirma verfasst andere Verträge, die jeweils individuell auszuhandeln sind. Daher ist es grundsätzlich empfehlenswert, diesen wichtigen Schritt mit Fachleuten zu besprechen – gerade, wenn man sich des Vertragsinhalts nicht absolut sicher ist.
Was ist ein Bandübernahmevertrag?
Es gibt zwei Arten von Plattenverträgen: Eine Möglichkeit ist der Bandübernahmevertrag. Dabei wird vertraglich vereinbart, dass die Plattenfirma eine bereits bestehende Aufnahme des Interpreten unter ihrem Namen neu veröffentlicht. Oftmals wird das Label den Mastermix dieser Aufnahme nochmals neu erstellen, aber die Songs müssen nicht erneut eingespielt werden. Ein Bandübernahmevertrag ist immer dann üblich, wenn ein Künstler bereits zuvor mit einem Verlag und vor allem mit einem namhaften Produzenten zusammengearbeitet hat, der ein CD-taugliches Band produziert hat und dieses nun bei einer Plattengesellschaft unterbringen will.
Was ist ein Künstlervertrag?
Wenn kein CD-fähiges Aufnahmematerial vorliegt, kommt ein Künstlervertrag zur Anwendung, das heißt, dass der Künstler also zunächst in ein Studio muss, um Songs neu einzuspielen. Dabei wird nicht nur eine bestimmte Aufnahme, sondern die gesamte Compilation unter Vertrag genommen, um zukünftig weitere Tonträger zu produzieren.
Folgende Punkte sollten bei allen Plattenverträgen (ob sie nun als Bandübernahme-, Künstler-, Produktions- oder Lizenzvertrag betitelt sind) vorkommen:
- Die Pflichten des Künstlers
- Die Pflichten des Labels
- Die Vertragslaufzeit
- Vertraglich festgelegte Produktionen
- Die Lizenzgebühr
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